Norbert Bohle, Steuerberater

Kunst und Steuern

Welche Steuern können anfallen?

Wird eine künstlerische Tätigkeit ausgeübt, kann insbesondere Einkommensteuer, Körperschaftsteuer (bei einer GmbH), Lohnsteuer (bei Arbeitnehmer, wird auf die Einkommensteuer angerechnet), Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer anfallen. Welche Steuern zu zahlen sind, hängt von den persönlichen Verhältnissen, der Art der Tätigkeit und der Höhe der Einkünfte bzw. Umsätze ab

Einkommensteuer
Einkommensteuerpflichtig ist ein Künstler nur, wenn sein zu versteuerndes Einkommen eine bestimmte Grenze, den sogenannten Grundfreibetrag ( 8.004,- EUR bei ledigen bzw. 16008,- EUR bei verheirateten Steuerpflichtigen) überschreitet. Außerdem gibt es noch zahlreiche Freibeträge und Abzugsbeträge, die auch bei höheren Einkünften dazu führen können, dass Einkommensteuer nicht anfällt.

Gewinne und Verluste
Ist der Künstler quasi sein „eigener Chef" kann er aus seiner Tätigkeit freiberufliche Einkünfte oder gewerbliche Einkünfte erzielen.

Der Entschluss zur Selbstständigkeit muss immer mit einer Gewinnerzielungsabsicht verbunden sein. Wer nur aus persönlicher Neigung handelt und auf Dauer keine positiven Einkünfte erzielt, dem unterstellt das Finanzamt gern eine „Liebhaberei". Und das hat zur Folge, dass Verluste bei der Steuererklärung vom Fiskus nicht anerkannt und dem Privatbereich zugeordnet werden. Soweit die Verluste in der Anlaufphase aus der persönlichen Neigungen des Steuerpflichtigen erzielt werden, sind diese regelmäßig nur dann steuerlich zu berücksichtigen, wenn der Finanzbehörde ein schlüssiges Konzept vorgelegt wird, aus dem entnommen werden kann, dass ein Totalgewinn angestrebt wird.

Freiberufler
Eine künstlerische Tätigkeit auf dem Gebiet der Musik, der Malerei oder der bildenden Kunst ist steuerlich grundsätzlich als freiberufliche Tätigkeit einzustufen (§ 18 Einkommensteuergesetz - EStG). Dies bedingt, dass der Künstler eigenschöpferisch tätig ist und seine Darbietungen eine gewisse künstlerische Gestaltungshöhe erreichen. Künstler oder Nichtkünstler - das entscheidet im Zweifelsfall einen Sachverständiger. Alle Umstände im Einzelfall können für die steuerliche Zuordnung maßgebend sein.

Gewerbebetrieb und Gewerbesteuer
Da es einen allgemein gültigen Kunstbegriff nicht gibt, kann ein Künstler auch gewerbliche Einkünfte erzielen (§ 15 EStG). Eine gewerbliche Tätigkeit kann vielfältiger Natur sein, wie z.B. der Produktion von bzw. der Handel mit Gütern, Erbringung von Dienstleistungen, Vermittlung von Geschäften. Auch eine musikalische Tätigkeit kann gewerblich einzustufen sein, wenn das eigenschöpferische und das künstlerische Moment nicht oder nur geringfügig ausgeprägt ist.

Gewerbliche Gewinne unterliegen grundsätzlich der Gewerbesteuer. Gewerbesteuer fällt aber erst bei einem Jahresgewinn von mehr als 24.500 Euro an. Die Gewerbesteuer wird pauschaliert auf die Einkommensteuer angerechnet (Steuerermäßigung - § 35 EStG). Gewinne aus einer freiberuflichen Tätigkeit sind nicht gewerbesteuerpflichtig.

Welche Einnahmen sind anzusetzen?

Grundsätzlich sind alle Einnahmen anzusetzen, die der Künstler aus seiner steuerlich relevanten Tätigkeit erwirtschaftet. Dies sind z.B. die Gagen, Einnahmen aus dem Anzeige- und Werbegeschäft sowie Zuwendungen eines Sponsors. Übernimmt der Veranstalter eines Konzerts auch die Kosten für den Transport des von ihm engagierten Künstlers zum Veranstaltungsort und für die Übernachtung und Verpflegung des Künstlers im Zusammenhang mit der Veranstaltung, sind diese Sachleistungen (nach Umrechnung in einen Euro-Betrag) beim Künstler regelmäßig als Einnahmen zu erfassen. Auch Einnahmen aus Auslandsaktivitäten sind in Deutschland steuerpflichtig, sofern ein Doppelbesteuerungsabkommen nichts anderes bestimmt. Schließlich sind bei selbständigen Künstlern regelmäßig auch Privatentnahmen (z.B. für private Kfz-Nutzung) in angemessener Höhe als Einnahmen anzusetzen.

Umsatzsteuer
Künstlerische Leistungen, wie der Verkauf von Wortbeiträgen, Bildern, Filmen, Skulpturen oder z.B. Theaterauftritten, unterliegen in der Regel der Umsatzsteuer und zwar in dem Land, wo der Künstler tätig wird. Werden die Leistungen und Lieferungen in Deutschland erbracht kommen die normalen Regelsätze der Umsatzsteuer von 7 % und 19% in Betracht. Für kleinere Unternehmen bietet sich ggf. die

Kleinunternehmerregelung
Die Umsatzsteuer wird für an sich steuerpflichtige Umsätze aus Vereinfachungsgründen nicht erhoben, wenn der Gesamtumsatz zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Kleinunternehmer dürfen bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung auf ihren Ausgangsrechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen und Vorsteuer aus Eingangsrechnungen nicht abziehen. Ferner müssen Kleinunternehmer keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben.

Ermäßigter Steuersatz von 7 v.H.
Dem ermäßigten Steuersatz unterliegen insbesondere Umsätze für den menschlichen Grundbedarf (z.B. Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Fahrten im öffentlichen Personennahverkehr). Aber auch für die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Urheberrechten und die Eintrittsberechtigung für Theater, Konzerte und Museen, sowie die den Theatervorführungen und Konzerten vergleichbaren Darbietungen ausübender Künstler, sofern diese Umsätze nicht nach § 4 Nr. 20 UStG steuerfrei sind, kommt der ermäßigte Steuersatz in Betracht. Unter den Begriff Konzert sind alle musikalischen und gesanglichen Aufführungen zu verstehen. Derartige Veranstaltungen sind nur dann begünstigt, wenn Leistungen anderer Art, die in Verbindung mit diesen Veranstaltungen erbracht werden, von so untergeordneter Bedeutung sind, dass dadurch der Charakter der Veranstaltung als Konzert nicht beeinträchtigt wird.

Steuerbefreiungen

Die Leistungen von Musikern, Sängern und selbstständigen Dirigenten können umsatzsteuerfrei sein. Auf die Art der Musik (z.B. Volksmusik oder Popmusik) kommt es nicht an. Hierzu ist es erforderlich, dass die zuständige Landesbehörde (z.B. Regierungspräsidium) dem Künstler eine Bescheinigung ausstellt, aus der hervorgeht, dass der Künstler die gleichen kulturellen Aufgaben wie die in der Vorschrift genannten Einrichtungen (Orchester, Kammermusikensembles, Chöre) der öffentlichen Hand erfüllt. Die Bescheinigung ist materiell-rechtliche Voraussetzung für die Gewährung der Steuerbefreiung.

Die Bescheinigung muss für den jeweiligen Künstler (Unternehmer) persönlich ausgestellt sein. Die Steuerbefreiung kann für den selbständigen Künstler nicht gewährt werden, wenn nicht er, sondern lediglich das Orchester, in dem der Künstler mitwirkt, über die Bescheinigung verfügt.

Wurde die Bescheinigung erteilt, gilt der Künstler als „gleichgestellte Einrichtung". Daraus folgt, dass sämtliche Auftrittsleistungen des Künstlers umsatz-steuerfrei sind. Insoweit ist der Vorsteuerabzug stets ausgeschlossen. Es existiert kein Wahlrecht, bestimmte Auftritte steuerfrei, andere jedoch umsatzsteuerpflichtig zu behandeln.

Es besteht auch kein Wahlrecht, die Bescheinigung bei der zuständigen Landesbehörde zu beantragen oder nicht. Ggf. kann die Bescheinigung auch vom Finanzamt beantragt werden. Die Möglichkeit durch Nichtvorlage der Bescheinigung auf die Anwendung der Steuerbefreiung zu verzichten, besteht nicht.

Auch bei Vorliegen der Bescheinigung sind nur die typischen Auftrittsleistungen einschließlich der üblicherweise damit verbundenen Nebenleistungen umsatz-steuerfrei. Umsatzsteuerpflichtig sind in jedem Fall andersartige Leistungen, wie z.B. Entgelte für Autogrammstunden, Teilnahme an Diskussionsrunden oder Talksendungen, Interviews, Vorträge, Autorenhonorare, gutachterliche Leistungen und Prüfungsvergütungen.

Nicht begünstigt und damit mit dem Regelsteuersatz steuerpflichtig sind z.B. gesangliche, kabarettistische oder tänzerische Darbietungen im Rahmen einer Tanzbelustigung, einer sportlichen Veranstaltung oder zur Unterhaltung der Besucher in Gaststätten, wenn der Künstler selbst Veranstalter ist. Soweit sich der Künstler nur zur Erbringung einer kulturellen (musikalischen) Leistung gegenüber dem Auftraggeber verpflichtet, ist der Umsatz begünstigt. Dies gilt auch dann, wenn er im Rahmen einer nicht begünstigten Veranstaltung (z.B. Tanzbelustigung) auftritt.

Umsatzsteuerbefreiung für Veranstalter
Führt ein Veranstalter Konzerte mit von der Umsatzsteuer befreiten Künstlern durch, können die Erlöse des Veranstalters steuerfrei sein. Für die Veranstalterumsätze gibt es kein gesondertes Bescheinigungsverfahren. Vielmehr kann die Bescheinigung des Künstlers auch zu steuerfreien Umsätzen beim Veranstalter führen. Ebenso wie der Künstler besitzt der Veranstalter kein Wahlrecht zur Inanspruchnahme der Steuerbefreiung. Wird ein Veranstalter für einen Künstler tätig, dem eine Bescheinigung erteilt wurde, führt der Veranstalter steuerfreie Umsätze aus, soweit er diese nicht im Rahmen einer Tanzbelustigung, sportlichen Veranstaltung oder zur Unterhaltung von Besuchern in Gaststätten erbringt. Ein Vorsteuerabzug ist insoweit ausgeschlossen. Soweit die Veranstalterumsätze nicht steuerbefreit sind, kann der ermäßigte Steuersatz von 7 v.H. in Betracht kommen, wenn keine nicht begünstigte Veranstaltung (z.B. Tanzbelustigung) vorliegt.

Quelle: OFD Karlsruhe www.fa-baden-wuerttemberg.de